#PizzaGiro – Endstazione

Der Endbericht zum PizzaGiro: 12 Pizzen in 11 Tagen. Die perfekte Pizza war nicht darunter. Nur ein Grund um weiterzumachen.

Noch abenteurlicher, noch entschlossener führte ich den PizzaGiro bis an den Süden der Toskana und schließlich zurück in den hohen Norden. Die Ereignisse überschlugen sich und Unvorhergesehenes gefährdete den Weg in den Pizza Olymp. Doch der Reihe nach:

In Anschluss an den Auftakt und der Fortsetzung ging es nach Barberino – so lange wie es braucht den Namen auszusprechen, so lange dauert auch die Durchfahrt. Noch nie war der Schmerz über das Fehlen einer Atmosphäre-Bewertung größer als im L’Archibugio S.N.C. – ein sagenhafter Blick über die Toskana auf der Terrasse. Leider hatte ich den Eindruck, dass sich die Pizza hinter dieser Szenarie  verstecken will. Gewissenhaft zubereitet, doch der Teig spröde und leblos. Hier muss mehr möglich sein! Auch eine zweite unverzügliche Kostprobe, dieses Mal eher “extravaganza” mit Pecorino, bestätigte meinem Gewissen nur, was mein Gaumen längst erkannt hatte: Overall-Geilheit 3.

Der nächster Tag bot die bisher bitterste Enttäuschung, zuminderst zweitbitterste. Nach einer engagierten Fahrt in den Norden, fast zurück nach Florenz, teilte uns die Lo Spela Di Pannacci Paolo Mannschaft in Il Ferrone mit, dass sie zu Mittag geschlossen hätten. Meine kritische Anmerkung, warum das Lokal dann überhaupt geöffnet hätte, verhallte – was zugegeben auch am Italienisch liegen mag.  Plan B trat in Kraft: Wein. Unter der Gewissheit mit der Doppelpizza des Vortages durchhalten zu können, gönnte sich das #PizzaGiro Team eine fürstliche Bewirtung im Castello di Verrazano. Hier enden allerdings die Aufzeichnungen des Tages.

Im Il Garibaldi in San Quirico d’Orcia weiter im Süden der Toskana stieß ich auf ein ähnliches Phänomen: keine Pizza zu Mittag. Noch Schrecklicheres widerfuhr mir im Latte di Luna in Pienza: überhaupt keine Pizza! Ein schwerer Schlag für die Leitung des PizzaGiro sowie für das gesamte Team. Nachträglich betrachtet war es wohl ein Fehler, die Liste der Pizzerien vorab zu veröffentlichen und die Pizzaiolos indirekt zu warnen. Durch eine virtuose Planänderung und mentale Stärke konnte der #PizzaGiro dennoch fortgesetzt werden. Il Garibald bekam noch einen Besuch, sehr zur Überraschung des Personals. Die Qualität der Pizza war für eine wirtschaftliche Symbiose aus Tankstelle und Pizzeria überraschend gut, doch zu wenig um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Im Il Cappellacio in Castagneto Carducci, nahe an der Küste, servierte man mir eine riesige Pizza. Ich kenne großen Pizzen, aber diese war der Gipfel. Der interessierte Leser sei auf das Fotomaterial verwiesen. Ob Panoramablick oder Durchmessermaximierung, die Qualität einer Pizza bleibt davon unberührt. So war es auch hier leicht zu erschmecken: weniger wäre mehr gewesen. Belag geschmacklos, Schinken skandalös fad.

Schinken ist gleichzeitig das Stichwort der nächsten Stazione. Zu Gast im Schinkenmekka Parma bei Don Alfonso. Eine Freude in Don Alfonsos Werk reinzubeißen: saftig, konkret, geschmackvoll. Eine der besten bisher. Im Al Paradiso ein ähnlich hochwertiges Ergebnis der Pizzakultur. Hier ist eine Bestnote in absoluter Reichweite. Das Einzige, was ich kritisch anmerken muss und zum Punktabzug führte, ist der zu lang gebackene Pizzateig. Al Paradiso steht unter Beobachtung!

Kurz vor der Rückkehr in ein normales Leben, vor dem Brennerpass noch die Henkersmahlzeit im Hubertushof in Sterzing. Der Pizzaäquator schien allerdings bereits überschritten. Oregano verwässerte den klassischen Pizzageschmack und dem Pizzateig fehlte jeglicher Esprit.

Der #PizzaGiro 2014 ging am 10.06.2014 zu Ende. Doch Pizzaofen aus heißt es für mich erst, wenn die perfekte Pizza gefunden und gänzlich verspeist wurde.

 

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